Mittwoch, 4. Februar 2015

Briefmarken für Bethel


Offizielle Briefmarken-Sammelbox


Die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, eine der größten diakonischen Einrichtungen Europas, beschäftigt in der Briefmarkenstelle Bethel seit über hundert Jahren Menschen mit Behinderung. 125 finden hier aktuell eine sinnvolle Tätigkeit. Alle arbeiten nach ihren individuellen, manchmal stark eingeschränkten Möglichkeiten. Doch Arbeit bedeutet für sie, den Tag zu gestalten, Geld zu verdienen, soziale Kontakte zu knüpfen und zu zeigen, was sie können. Sie bereiten Marken aus aller Welt auf, sortieren und packen sie in  Tüten und Päckchen und verkaufen sie an Sammler. 

Briefmarken - ob deutsche oder ausländische, gestempelte oder ungestempelte, ganz gleich, ob sie auf Postkarten und Briefumschlägen kleben oder ausgeschnitten sind - können Sie im zentrum plus, Calvinstr. 14 an der Infotheke des Joachim-Neander-Hauses und an der Infotheke des zentrum plus im Netzwerk in Benrath abgeben.


Hinweis: Beim Ausschneiden sollte ein Rand von einem Zentimeter verbleiben, um die Marke nicht zu beschädigen.

Die erste Briefmarke wurde 1840 in England verkauft. Die kleinen zackigen Briefaufkleber weckten bald das Interesse vieler Menschen, nicht bloß zum Frankieren der Post. Eine Sammelleidenschaft brach aus und legte damit den Grundstein für die Einrichtung einer Briefmarkenstelle in Bethel. 

Die Idee der Briefmarkenstelle geht in Bethel auf Friedrich von Bodelschwingh zurück. Zu ihrer Anfangszeit gibt es nur wenige Informationen. Es ist davon auszugehen, dass schon vor 1888 Briefmarken in Bethel gesammelt worden sind. Da aus dieser Zeit allerdings nichts bekannt ist, hat man das erste erhaltene Dokument über die Briefmarkenstelle, einen Schriftwechsel, zum Anlass genommen, das Jahr 1888 als Gründungsjahr der Briefmarkenstelle Bethel festzulegen. 

Der Schriftwechsel verhieß allerdings nichts Gutes: Der neue Leiter der Einrichtung Oscar Boljahn beklagte sich über den traurigen Zustand der Briefmarkenstelle. Bei der Übernahme des Geschäftes hatte er festgestellt, dass Aufträge von seinem Vorgänger nicht bearbeitet wurden und der Markenvorrat zu klein war, um damit die hohe Nachfrage zu decken. Aber Oscar Boljahn ließ sich nicht entmutigen und bewies Geschäftstüchtigkeit. Er überlegte sich Wege, wie er durch Bittbriefe Markenspender und durch Inserate Kunden bekommen könnte. Der Erfolg gab ihm recht: Bereits ein halbes Jahr später schrieb Oscar Boljahn in einem Jahresrückblick, dass die Zahl der Briefmarken-Abnehmer gestiegen sei. Es war ihm gelungen, genügend Markenvorrat anzulegen und neue Sammler zu gewinnen: Von Juni bis Dezember 1888 wurden in 369 Sendungen 18.262 Briefmarken an 232 Personen und außerdem 147 Kilogramm Marken an sechs Sammler verkauft. (Quelle: Bethel)

Die erste Briefmarke der Welt

 

Die erste aufklebbare Briefmarke wurde ab dem 1. Mai 1840 nach den Vorschlägen von Rowland Hill im Vereinigten Königreich herausgegeben und ab dem 6. Mai 1840 frankaturgültig.Der Wert zu einem Penny wird in Sammlerkreisen als One Penny Black bezeichnet.

Montag, 22. Dezember 2014

Gruß



Weihnachten sollte nicht nur aus Geschenken bestehen, doch wenn es schon sein muss, dann sollten die Präsente so beschaffen sein, dass man etwas verschenkt, das man sehr gerne selbst sein Eigen nennen möchte. Das sind nämlich die Geschenke, die das Herz berühren. Frohe Weihnachten!


Sonntag, 21. Dezember 2014

Ehrenamtskarte NRW: Ohne Kooperationspartner weniger sinnvoll

Fotomontage © P.Ries 2014
Zum 1. Januar 2015 wird die NRW-Ehrenamtskarte für Düsseldorf eingeführt. Seit 2012 beschäftigt sich dieser Blog mit der Einführung der Ehrenamtskarte für Düsseldorf. Mit einer Petition, Infostände und Unterschriftensammlungen wurde die Ehrenamtskarte NRW lange thematisiert. Nun wird sie eingeführt.



Düsseldorf benötigt jedoch auch mehr Kooperationspartner (Vergünstigungsgeber), die durch Vergünstigungen nicht nur ein Zeichen für das Engagement setzen, da die Ehrenamtskarte auch ein Marketinginstrument ist und für eine positive Kommunikation sorgt. Sie ist landesweit gültig, so dass auswärtige BesitzerInnen der Ehrenamtskarte sich über Anbieter in Düsseldorf informieren und so neue Kundenkreise auch außerhalb Düsseldorfs erschlossen werden können. Über die Veröffentlichung auf der Website des Landes können Sie zusätzlich überregionale Bekanntheit erlangen und genießen das Prestige, Unterstützer einer guten Sache zu sein. Gute Gründe die Ehrenamtskarte zu unterstützen, denn ohne Vergünstigungsgeber (Kooperationspartner) ist die Ehrenamtskarte weniger sinnvoll.

Derzeit arbeiten in Deutschland mehr als 23 Millionen Menschen ehrenamtlich.
In der Landeshauptstadt Düsseldorf sind es mehr als 70.000 Bürgerinnen und Bürger, die sich unentgeltlich einsetzen. Die Ehrenamtskarte ist Ausdruck der Wertschätzung für den großen ehrenamtlichen Einsatz der Bürgerinnen und Bürgern und verbindet diese Würdigung mit einem praktischen Nutzen. Menschen, die sich in besonderem zeitlichem Umfang für das Gemeinwohl engagieren, können mit der Karte die Angebote öffentlicher, gemeinnütziger und privater Einrichtungen vergünstigt nutzen. Mit der Ehrenamtskarte können Angebote in verschiedenen Landes- und kommunalen Einrichtungen vergünstigt wahrgenommen werden, sie gilt aber auch für Angebote von Partnern aus Wirtschaft, Kultur und Sport. Sie alle machen mit, den Einsatz von ehrenamtlich Engagierten öffentlich zu würdigen.

Vorteile durch die Ehrenamtskarte
Durch die Ehrenamtskarte können Karteninhaber in den beteiligten Kommunen in ganz Nordrhein-Westfalen Preisnachlässe und Vergünstigungen unterschiedlichster Art erhalten. Übersicht der Vergünstigungen in Düsseldorf. Unter www.ehrensache.nrw.de können Sie das schon vorhandene Verzeichnis sämtlicher Vergünstigungen in Düsseldorf und NRW abrufen. Der Katalog wird ständig erweitert, neue Vergünstigungspartner werden regelmäßig eingeworben.

Wo kann die Ehrenamtskarten einsetzt werden?
Die Ehrenamtskarte kann sowohl in der Landeshauptstadt Düsseldorf, als auch in den jeweils beteiligten Kommunen in Nordrhein-Westfalen eingesetzt werden. Hier gibt es eine Übersicht des Landesministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport: www.ehrensache.nrw.de.

Gültigkeit:
Die Ehrenamtskarte ist 2 Jahre gültig, das jeweilige Ablaufdatum ist auf der Karte ersichtlich. Nach Ablauf muss die Karte erneut beantragt werden. Sie ist nicht übertragbar.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?
Die Voraussetzungen für die Ausgabe der Ehrenamtskarte orientieren sich in engem Maße an den vom Land vorgegebenen Kriterien. Man kann die Karte beantragen, wenn man sich zeitlich überdurchschnittlich mindestens fünf Stunden pro Woche beziehungsweise 250 Stunden im Jahr im Stadtgebiet Düsseldorf engagiert. Dieses Engagement kann auch bei unterschiedlichen Trägern oder auf einzelne zeitintensive Einsätze verteilt sein. Die Organisationen bestätigen jeweils mit einer Unterschrift Ihre Angaben über die Einsatzzeiten. Diese Tätigkeiten muss man seit mindestens 2 Jahren wahrnehmen, und man darf keine pauschale Aufwandsentschädigung erhalten. Dies gilt nicht, wenn die Pauschale nur die entstandenen Kosten deckt.

Ehrenamtliche Arbeit, die man außerhalb von Vereinen und Verbänden, beispielweise im Rahmen der Nachbarschaftshilfe, erbringt, ist gleichgestellt. Wichtig ist die glaubhafte Versicherung, dass die Kriterien eingehalten werden.

Wie beantrage ich die Karte?
Die Bewerbung für die Karte erfolgt über ein entsprechendes Antragsformular. Anträge liegen auch in den Bürgerbüros und Freiwilligenagenturen der Caritas und der Diakonie aus sowie bei den Wohlfahrtsverbänden AWO, SKFM, DPWV.

Man macht seine Angaben und läßt diese durch eine hauptamtliche Kraft oder dem Vereinsvorstand gegenzeichnen. Damit bestätigt der Verein/die Organisation die vom ehrenamtlich Tätigen gemachten Angaben. Die Anträge können in den Bürgerbüros, Freiwilligenagenturen oder bei Ihrem Verband abgeben oder direkt an folgende Adresse senden:

Landeshauptstadt Düsseldorf
Büro Oberbürgermeister Thomas Geisel
Referat Ehrenamt, Social Sponsoring, Brauchtum und Veranstaltungen
Marktplatz 2
40213 Düsseldorf


Die Karte wird nach entsprechender Prüfung des Antrages durch die Stadtverwaltung verschickt. Die Antragstellung und Vergabe erfolgen ganzjährig.

Freitag, 28. November 2014

EHRENAMT VERLEIHT FLÜGEL: „SIE SIND DA, MAN SIEHT SIE NUR NICHT“



Christian ist ein verheirateter Familienvater, der mit 45 Jahren in einer tiefen Lebenskrise steckte und sich fragte, was der Sinn des Lebens ist. Leidend an Depressionen und chronischen Schmerzen stand er kurz davor zu resignieren, bevor er sich ein letztes Mal auf die Suche nach Veränderungen aufmachte. 


Hier die Geschichte 
Christian auf der Suche nach dem Sinn des Lebens


Christian musste wegen starker Magenschmerzen stationär in einem Krankenhaus behandelt werden. Auf der Station wartete er auf dem Flur darauf, dass die Schwestern ihm sein Zimmer zuweisen. Dort beobachtete Christian, wie eine Frau mit einem grünen Kittel bekleidet von Patientenzimmer zu Patientenzimmer ging. Neugierig, wie Christian war, fragte er die Frau, ob sie auch eine Krankenschwester sei, weil ihn der grüne Kittel irritierte. Sie antwortete ihm, dass sie eine „Grüne Dame“ sei und einer Gruppe angehöre, die sich bundesweit in Krankenhäusern und Altenhilfeeinrichtungen zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen habe, die als gemeinnützig anerkannt ist, und dass diese Gruppen sich hauptsächlich aus ehrenamtlich tätigen Frauen (liebevoll auch „Grüne Engel“ genannt) zusammensetzten, um Kranken, Alten und hilflosen Patienten in Krisenzeiten ihres Lebens im Sinne christlicher Nächstenliebe Zuwendung zu schenken. Ihre Aufgabe sei es unter anderem, den Patienten Getränke ans Bett zu bringen, kleinere Besorgungen zu machen und zum Beispiel aus Zeitungen vorzulesen.
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Da Christian sich von Zeit zu Zeit als freier Journalist verdingte, dachte er, dass es sinnvoll wäre, einmal über dieses ehrenamtliche Engagement zu berichten. Gegen Abend wollte er mit dem Artikel beginnen und niederschreiben, was er von der Frau im grünen Kittel erfahren hatte. Doch kaum sah er das leere Blatt vor sich, war es vorbei; es wollte ihm einfach nichts mehr einfallen. So entschloss er sich, die Grünen Damen erst einmal eine Zeit lang zu beobachten. 

Christian befand sich zu dieser Zeit in einem psychisch und physisch sehr labilen Zustand, war sehr unzufrieden mit sich und dachte häufig über den Sinn seines Lebens nach. Als er sah, mit welcher Hingabe diese Frauen ihr Ehrenamt ausübten und wie glücklich sie zu sein schienen, fasste Christian den Entschluss, auch etwas Gutes für andere Menschen zu tun - jedoch nicht ganz ohne Eigennutz:
Er hoffte nämlich, dass die Frage nach dem Sinn seines Lebens hier seine Beantwortung finden würde. Kurz entschlossen fragte er eine der Damen, ob er denn als "Mann" auch so etwas tun könne, was ihm diese mit „Ja“ beantwortete. Daraufhin vereinbarten sie einen Vorstellungstermin mit der Pflegedienstleitung und der Gruppenleiterin.
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14 Tage nach seinem Krankenhausaufenthalt wurde Christian dann im Kreise der Damen aufgenommen und er konnte nach einer Einweisung mit auf die Krankenstationen, um den Patienten Säfte und Bücher anzubieten, kleine Besorgungen zu machen oder ihnen einfach nur zuzuhören. Doch vorher gab es noch ein Problem: Da die Damen grünfarbige Kittel trugen und er als Mann in einem solchen nicht gerade vorteilhaft aussah, bekam er eine richtige Pflegermontur ausgehändigt. Kaum damit ausgestattet, fühlte sich Christian der Gilde der Krankenpfleger zugehörig. Und so kam es irgendwie, dass man ihn in der Hektik des Klinikalltages mit pflegerischen Tätigkeiten beauftragte, wie zum Beispiel das Füttern schwer kranker Patienten, die Bettwäsche wechseln, Patienten waschen und rasieren – „Kleider machen eben doch Leute“, dachte Christian. Statt nur eine Stunde war er nicht selten bis zu vier Stunden mit derartigen Tätigkeiten beschäftigt. 

Wenn Christian nach vollbrachter Arbeit nach Hause ging, fühlte er sich zutiefst zufrieden und ausgeglichen. „So muss sich ein Engel fühlen“, dachte er. Manchmal hatte er sogar das Gefühl im Rücken, wie einer beflügelt zu sein. Dann warf er hier und da einen verstohlenen Blick über seine Schultern. „Sie sind da, man sieht sie nur nicht“, sagte er sich, ging beschwingt nach Hause und freute sich auf den nächsten Tag und seinen Einsatz auf der Frauenstation.
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Auf der Station angekommen wurde Christian von der Stationsschwester gebeten, einer blinden Patientin in Zimmer 118 etwas Wasser zu reichen. Als er das Zimmer betrat, sah er im Bett hinter der Türe eine vermeintlich einsame alte Dame, die sich offensichtlich auch nicht bewegen konnte. Ihr Haupt war mit schulterlangem silbrigen Haar bedeckt, welches ihr durch die einfallenden Sonnenstrahlen eine spirituelle Aura verlieh. Seitlich hatte sie ihr Haar mit einer Haarspange fixiert, auf deren Mitte man zwei kleine Marienkäfer ausmachen konnte und ihr Gesichtsausdruck ließ auf einen gütigen Charakter schließen. Christian grüßte die alte Dame und stellte sich ihr unter anderem als „Grüner Engel“ vor. „Was ist denn ein Grüner Engel?“ fragte die alte Dame. Christian erklärte ihr das mit den ehrenamtlich tätigen Damen, die man oft liebevoll so nenne, und dass es mit ihm nun auch einen männlichen „Grünen Engel“ gebe. „Darf ich ihnen etwas Wasser oder einen Saft reichen?“ fragte Christian. „Sagen sie einfach Berta zu mir, junger Mann“. „Nur wenn sie mich auch Christian nennen“. „Ich nenne dich mein Engel“, lachte sie.
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Immer wenn Christian Dienst hatte, führte ihn sein erster Weg ins Zimmer 118 zu Berta. Er brachte ihr das Frühstück und fütterte sie. Oft war es nötig, ihr die Tränen wegzuwischen, ihr die Hand zu halten, sie zu streicheln und mitzuleiden, wenn Berta über Schmerzen und Herzensleid klagte. Sie erzählte Christian von ihrer Jugend, ihrer ersten Liebe und von den Hungerjahren vor und nach dem Krieg. Christian erzählte Berta von seinem Leben und seiner Suche nach dem Sinn des Lebens. So verband sie mit der Zeit eine starke gegenseitige Zuneigung. Besonders hat es Christian beeindruckt, dass immer, wenn er Berta besuchte und die Klinke der Zimmertüre ganz leise herunterdrückte, um das Krankenzimmer zu betreten, sie bereits wusste, dass er es war. „Guten Morgen, lieber Christian“, pflegte sie dann zu sagen. Seine Schritte auf dem Flur konnte sie ihm bereits durch die geschlossene Türe zuordnen - selbst wenn er eine andere Gangart eingelegt hat, also sich möglichst leise über den Flur zum Zimmer begab und die Schwestern ebenso leise grüßte.
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Eines Tages ging es Berta sehr schlecht und die Schwestern teilten Christian mit, dass Berta wohl nicht mehr lange leben wird. Christian bat die Schwestern inständigst, ihn umgehend telefonisch zu informieren, wenn es zu Ende gehen sollte – auch mitten in der Nacht. Das versprachen sie ihm. 

Am nächsten Tag ging Christian ohne sich umzuziehen, sofort auf die Station, weil er so ein unangenehmes Gefühl in der Magengegend hatte. Er veränderte nicht seine Gangart, grüßte die Schwestern mit kräftiger Stimme und drückte die Klinke des Krankenzimmers etwas energischer herunter, um sicherzugehen, mit „Guten Morgen, lieber Christian“ begrüßt zu werden. Verhaltend horchte Christian nach der ihm so sehr vertrauten Begrüßung. Doch es blieb geradezu unangenehm still. Als er dann ins Zimmer trat und in die Richtung blickte, wo er seine Berta wähnte, sah er nur ein leeres Bett. Mit schnellen Schritten ging Christian ins Stationszimmer. Dort teilte man ihm mit, dass Berta in der vergangenen Nacht verstorben sei. Die Schwestern hatten in der Hektik vergessen, ihn zu benachrichtigen. Wütend und zugleich traurig ging Christian sofort nach Hause, und obwohl es ein sonniger Morgen war, schien ihm alles grau und fade. Das Gefühl seiner einstigen tiefen Zufriedenheit und Ausgeglichenheit wollte sich nicht mehr einstellen und Flügel schienen ihm auch keine mehr gewachsen zu sein.
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Etwa nach zwei Wochen des Nachdenkens und Grübelns über Gott und die Welt und der Ungerechtigkeit, sterblich zu sein, hatte Christian sich wieder aufgerafft. Denn er hatte herausgefunden, dass zum Leben auch der Tod gehört und man in allem, was sich dazwischen befindet: was man aus seinem Leben macht und hinterlässt, unsterblich bleibt. Überzeugt davon, die Antwort auf den Sinn des Lebens gefunden zu haben, meldete er sich wieder zum Dienst. Er dachte sogar über die Möglichkeit nach, eine Ausbildung zum Krankenpfleger zu machen und somit seiner Montur einen würdigen Rahmen zu verleihen. Doch leider ließ sein damaliger Gesundheitszustand dies nicht zu. So beschloss Christian, so lange wie möglich ein „Grüner Engel“ zu bleiben.
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Eines Tages sah die Pflegedienstleiterin zu, wie Christian bei der Körperpflege eines Patienten half. Sie sprach ihn an und fragte: „Sind sie nicht ein Grüner Engel?" Worauf er antwortete: „Danke, ja, und ich bin`s gerne". Darauf hin wandte sie sich an die Stationsschwester und fragte sie, wieso man mich als „Grüner Engel“ mit pflegerischen Aufgaben betraue. Worauf die Stationsschwester - selbst etwas erstaunt - erwiderte: „Ein Grüner Engel?! - Um Gottes willen“. „Genau“, sprach Christian dazwischen - „um Gottes willen“. Denn offensichtlich hat er seine Hand im Spiel gehabt, dass Christian so lange „Krankenpfleger“ bleiben konnte, bis er den Sinn des Lebens herausgefunden hatte. Die Pflegedienstleiterin teilte Christian mit, dass er „pflegerische Tätigkeiten“ auch aus versicherungstechnischen Gründen nicht mehr ausüben dürfe und er sich auf das Verteilen von Wasser und Säften beschränken solle, was Christian nicht so richtig verstand, wollte er doch nur helfen! 

Christian blieb noch einige Zeit ein angesehener „Engel“. Denn getreu des Mottos „Der beste Lohn für gute Taten besteht darin, mit noch größeren betraut zu werden“, ist Christian seit damals in vielen ehrenamtlichen Projekten eingebunden.
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Einst selbst in Not geraten und nicht ahnend, wie es mit seinem Leben weitergehen sollte und voll des Zweifels an der Sinnhaftigkeit des Lebens, fand Christian auch mit Gottes Hilfe den Mut und die Kraft, nicht nur anderen Menschen zu helfen, sondern auch sich und seiner Seele. Das Ehrenamt gab ihm die Möglichkeit dazu. Es machte aus ihm einen besonnenen Menschen, der nun wußte, dass der Sinn des Lebens die Geburt und der Tod ist und alles, was sich dazwischen befindet und man aus seinem Leben macht und hinterlässt, unvergessen bleibt. 

Ab und zu kann man Christian bei der Ausübung seines Engagement dabei beobachten, wie er verstohlen über seine Schultern schaut, und wenn man zufällig in seiner Nähe steht, hört man ihn leise sagen: „Sie sind da, man sieht sie nur nicht“.  
 
© Peter Ries/Düsseldorf 11/2014